Mein Traumjob im Altenheim nahm ein abruptes Ende mit dem Wechsel der Heimleitung.
Fortan hatte ich keinen Traum- sondern Albtraumjob. Meine Chefin war alles andere als
ein Profi und hatte von der Führung von MitarbeiterInnen wie auch eines Altenheimes überhaupt
keine Ahnung. Ich hab mich dann schweren Herzens dazu entschlossen zu kündigen. Nach kurzer
Suche fand ich eine neue Herausforderung. Im Dezember 04 fing ich die neue Stelle als
Betreuerin auf einer Wohngruppe für Menschen mit einer Demenz an. Die neue Stelle war
überhaupt nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte...
Im Dezember hatte ich nochmals fast 5 kg abgenommen und wog noch 81 kg. Was für ein
gutes Gefühl! Mit dem neuen Job als Betreuerin waren auch unregelmässige Arbeitseinsätze
auf dem Plan. Ich musste meinen strukturierten Tagesablauf, den ich mir mühsam in den letzten
zwei Jahren aufgebaut hatte, aufgeben. Hätte nicht gedacht, dass mich dies dermassen aus
der Bahn werfen würde. Sport konnte ich nur noch selten machen, da ich oft erst um 23.30 Uhr nach
Hause kam und das Studio um diese Zeit schon lange zu war. Ja ja, ich weiss, ich hätte ja auch
sonst ins Studio gehen können und Gewichte stämmen können. Wer mich aber kennt, der weiss, dass ich
das absolut nicht mag. Ich bin ein Gruppenfitness-Mensch. Ich brauche es, jemand vor mir stehen
zu haben der mir sagt, was und wie viel ich machen soll und meinen inneren Schweinehund rauskitzelt.
Mein Auto hatte ich mittlerweile nicht mehr und so habe ich einen mehrstündigen Arbeitsweg der mir
für ein Training im Studio auch keine Zeit mehr lässt.
Auf der betreuten Wohngruppe hatten wir BewohnerInnen die unterernährt waren und die wir regelrecht
wieder aufpäppeln mussten. Das hiess für mich im Klartext dass ich ständig um Schokolade, Kekse, Kuchen
und sonst so leckere Sachen am arbeiten war. Es blieb nicht aus, dass ich da manchmal auch reinlangte.
Schliesslich war das ein Teil der der Betreuung, das gemeinsame
Essen. Es kam wie es kommen musste, ich wurde immer dicker und dicker. Die Notbremse hab ich in
Form einer erneuten Kündigung nach nur 3 Monaten gezogen.
Jetzt stand ich also da: ohne Job, ohne geregelte Tagesstruktur, und noch viel schlimmer 12 kg schwerer
als im Dezember. Hinzu kam noch die verpatzte zweite Tae Bo Prüfung... Ich kam mir als eine Versagerin vor
und hasste mich für das, was ich mir einmal mehr angetan hatte. Nie im Leben hätte ich mir vorstellen können,
dass ich wieder dermassen zunehmen würde und ich wieder dem Teufelskreis der "Fresssucht" verfiel.
Ausserdem rückte mein Traum von der Fahrradreise einmal um die Welt in weite Ferne. Ich würde das Geld bis nächstes Jahr
niemals zusammenbringen. Die erste Kündigung hat mich finanziell viel gekostet, weil ich meine angefangene
Heimleiterinnenausbildung zurückbezahlen musste.
Im Moment geht es mir, ausser dem Gewicht, super gut. Es hat sich alles zum Guten gewendet.
Arbeiten tu ich im moment in einem sehr grossen Fahrradzubehörladen als Temporäre Verkaufsberaterin.
Hier kann ich meine Erfahrungen von meinen bisherigen Touren einbringen und auch selber viel
dazu lernen.
Durch diese Krise habe ich gelernt, was mir wichtig ist und was ich brauche damit es mir
gut geht und ich mich selber wieder akzeptiere und liebe.
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